Fragt man ChatGPT, Perplexity oder die AI Overviews von Google nach einem Unternehmen, kommt oft eine Antwort, die ungefähr stimmt. Mal ist das Gründungsjahr falsch, mal wird die Firma mit einer gleichnamigen verwechselt, mal fehlen die wichtigsten Leistungen. Genau hier setzt die Grounding Page an: eine Seite, auf der ein Unternehmen, eine Person oder eine Marke die eigenen Kernfakten so klar und überprüfbar beschreibt, dass KI-Systeme sie korrekt übernehmen können.
In diesem Beitrag erfährst Du, was eine Grounding Page ist, woher der Begriff kommt, wie sie aufgebaut ist und wie Du eine Grounding Page erstellst. Und ich sage Dir auch, was sie nicht kann.
Inhaltsverzeichnis
Was ist eine Grounding Page?
Eine Grounding Page ist eine faktenorientierte Webseite, die eine Entität eindeutig beschreibt: was sie ist, zu welcher Kategorie sie gehört und welche Fakten sich über sie überprüfen lassen. Eine Entität kann ein Unternehmen sein, eine Person, eine Marke, ein Produkt, ein Service oder auch ein Begriff. Was eine Entität genau ist, haben wir in einem eigenen Artikel ausführlich erklärt.
Der Unterschied zur klassischen Unternehmensseite liegt in der Absicht. Eine Landingpage will überzeugen und verkaufen. Eine Grounding Page will beschreiben und belegen. Sie verzichtet auf Werbesprache und Superlative und konzentriert sich auf Aussagen, die ein Leser oder ein KI-System nachprüfen kann.
Was bedeutet Grounding?
Der Name stammt aus der KI-Entwicklung. Grounding bezeichnet den Prozess, bei dem ein Sprachmodell seine Antwort nicht allein aus dem trainierten Wissen erzeugt, sondern an externe Quellen bindet, die es im Moment der Anfrage abruft. Die verbreitetste Technik dafür ist Retrieval Augmented Generation (RAG). KI-Suchmaschinen wie Perplexity, die KI-Funktionen von Google oder ChatGPT mit Websuche arbeiten nach diesem Prinzip: Sie suchen passende Dokumente, lesen sie und setzen daraus eine Antwort zusammen.
Eine Grounding Page soll für diesen Prozess eine verlässliche Quelle sein. Je klarer die Fakten auf einer Seite stehen, desto geringer ist das Risiko, dass ein Modell Lücken mit Vermutungen füllt.
Wer steckt hinter dem Grounding Page Standard?
Den Begriff und den Grounding Page Standard hat Hanns Kronenberg mit dem Grounding Page Project entwickelt. Die erste öffentliche Version 1.4 erschien am 20. November 2025. Version 1.5 vom Februar 2026 brachte unter anderem den Entitätsnamen in Überschriften, FAQ-Bereiche und Regeln für Fakten, die sich häufig ändern. Version 1.6 vom Mai 2026 ordnet Grounding Pages als faktenorientierte Referenzseiten mit klarer Entitätsfokussierung im oberen Seitenbereich ein. Die Klarstellung 1.6.1 vom Juli 2026 betont, dass der Standard keine starre Seitenvorlage ist.
Der Standard ist eine offene Spezifikation, kein technisches Protokoll und kein Markup-Format. Er hat keine Verbindung zu ISO, W3C oder schema.org und verlangt keine bestimmte Software. „GroundingPage“ ist eine eingetragene Marke von Hanns Kronenberg. In der deutschsprachigen SEO-Szene haben unter anderem Jonas Tietgen und Jannik Schubert das Konzept in Podcasts und mit Werkzeugen bekannter gemacht.
Wie funktionieren Grounding Pages für KI-Systeme?
KI-Systeme kennen keinen eigenen Seitentyp „Grounding Page“ und bevorzugen ihn nicht algorithmisch. Eine Grounding Page wirkt über ihre Eigenschaften: Sie ist eine normale HTML-Seite mit eigener URL auf Deiner Website, die Suchmaschinen und KI-Crawler lesen und indexieren können. Wenn ein KI-System zu Suchanfragen über Dein Unternehmen Quellen abruft, findet es dort im besten Fall genau die Informationen, die es braucht, gebündelt, eindeutig und ohne Widersprüche.
Drei Probleme soll eine Grounding Page entschärfen:
- Verwechslung: Zwei Firmen mit ähnlichem Namen, eine Person mit einem Namensvetter, eine Marke, die auch ein Alltagsbegriff ist. Ohne klare Abgrenzung vermischt das Modell die Informationen.
- Lücken: Wenn ein Unternehmen nirgends sauber beschreibt, was es tut, muss die KI das aus verstreuten Erwähnungen ableiten. Dabei entstehen Halluzinationen.
- Veraltete Angaben: Alte Pressemitteilungen, Verzeichniseinträge oder Bewertungsportale widersprechen der aktuellen Lage. Eine Grounding Page mit Prüfdatum gibt einen aktuellen Bezugspunkt.
Grounding Pages, Generative Engine Optimization und AI SEO
Im Kontext von Generative Engine Optimization (GEO) und AI SEO ist die Grounding Page ein Baustein unter mehreren. Generative Engine Optimization zielt darauf, in den Antworten generativer Systeme korrekt genannt zu werden. Was GEO von klassischem SEO unterscheidet, erklären wir im Artikel SEO, GEO und AEO: der Unterschied. Grounding Pages liefern dafür die Faktenbasis. Für die KI-Sichtbarkeit einer Marke zählen neben der eigenen Website auch Erwähnungen auf anderen Seiten, Einträge in Wissensdatenbanken und strukturierte Daten.
Aufbau einer Grounding Page
Der Standard schreibt keine feste Vorlage vor, beschreibt aber die Bausteine, die eine Seite als Referenz nutzbar machen. Aus der Spezifikation und den Beispielseiten des Projekts ergibt sich ungefähr diese Struktur:
- Kurze Definition ganz oben auf der Seite, noch vor jeder Erläuterung: ein bis zwei Sätze, die sagen, was die Entität ist. Der Name steht ausgeschrieben im Satz, nicht nur im Logo.
- Faktenblock mit Kernfakten: Name, Kategorie, Rechtsform, Gründungsjahr, Standort, Geschäftsführer oder Verantwortliche, Handelsregister, Leistungen, Website, Kontakt. Jede Angabe überprüfbar.
- Abgrenzung (Disambiguierung): ausdrücklich formuliert, womit die Entität nicht verwechselt werden soll und was sie nicht ist.
- Benannte Quellen: Belege für die Fakten, etwa Handelsregister, Zertifikate, Kammermitgliedschaften oder Presseberichte.
- FAQ-Bereich: kurze Antworten auf die Fragen, die Menschen und KI-Systeme typischerweise stellen.
- Weiterführende Informationen: Links zu Leistungsseiten, Profilen und verwandten Entitäten.
- Prüfdatum und Version: wann die Fakten zuletzt geprüft wurden.
- Strukturierte Daten: schema.org-Markup, das den sichtbaren Text ergänzt, zum Beispiel
OrganizationmitsameAs-Verweisen.
Beispiel: Faktenblock eines Unternehmens
So könnte der Faktenblock einer fiktiven Agentur aussehen:
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Name | JSH GmbH |
| Kategorie | Agentur für Suchmaschinenoptimierung und Google Ads |
| Rechtsform | GmbH |
| Handelsregister | Amtsgericht München, HRB 305986 |
| Geschäftsführer | Julian Hofmann |
| Gründungsjahr | 2016 / GmbH wurde aber erst 2025 gegründet |
| Standort | München |
| Leistungen | SEO, Google Ads, GEO |
| Nicht zu verwechseln mit | Beispiel Marketing AG, Hamburg (anderes Unternehmen) |
| Zuletzt geprüft | 03.10.2026 |
Das ist unspektakulär, und genau das ist der Punkt. Ein Modell kann mit einer solchen Tabelle wenig falsch machen.
Grounding Page Standard: die Ontologie
Für die Einordnung definiert der Standard eine Ontologie mit 18 Klassen: 17 Entitätsklassen wie Organisation, Person, Produkt, Service, Ort, Tool oder Rechtsform und als 18. Klasse die sogenannten semantischen Frames, die wiederkehrende Bedeutungs- und Suchmuster abbilden. Für die Praxis heißt das: Lege zuerst fest, zu welcher Kategorie Deine Entität gehört. Ein Steuerbüro ist eine Organisation, die einen Service anbietet. Eine Software ist ein Produkt. Diese Entscheidung prägt, welche Fakten auf die Seite gehören.
Grounding Page vs. Landingpage, Über-uns-Seite und llms.txt
| Format | Ziel | Sprache | Für wen |
|---|---|---|---|
| Landingpage | Überzeugen, Anfragen erzeugen | werblich, emotional | Besucher mit Kaufabsicht |
| Über-uns-Seite | Vertrauen aufbauen | erzählend | Interessenten |
| Grounding Page | Entität definieren, Fakten belegen | sachlich, prüfbar | Menschen und KI-Systeme |
| llms.txt | Inhalte für KI-Modelle kuratieren | Linkliste in Markdown | KI-Tools und Agenten |
Die Grounding Page ersetzt keine Landingpage. Sie ergänzt sie und bringt die Definition des Unternehmens an eine feste Stelle der Website. Laut Standard kann auch eine bestehende Über-uns-Seite als Grounding Page dienen, wenn sie die Anforderungen erfüllt. Für viele Unternehmen ist das der pragmatischste Weg.
Die llms.txt ist dagegen eine Textdatei im Wurzelverzeichnis, die KI-Modellen eine Übersicht über die wichtigsten Inhalte geben soll. Beide Konzepte gehören zum Werkzeugkasten von GEO, verfolgen aber unterschiedliche Zwecke: Die llms.txt verweist auf Inhalte, die Grounding Page ist selbst der Inhalt.
Grounding Page erstellen: Schritt für Schritt
- Entität festlegen: Wer oder was soll beschrieben werden? Das Unternehmen, der Geschäftsführer, ein Produkt? Für jede Entität eine eigene Seite oder einen eigenen, klar getrennten Bereich.
- Status prüfen: Frag ChatGPT, Perplexity, Gemini und Google mit typischen Suchanfragen nach Deinem Unternehmen. Notiere, was stimmt, was fehlt und was falsch ist. Diese Analyse zeigt, welche Fakten die Seite liefern muss.
- Fakten sammeln und belegen: Handelsregister, Gründungsjahr, Standorte, Leistungen, Verantwortliche, Zertifizierungen. Nur Angaben aufnehmen, die eine Quelle haben.
- Abgrenzung formulieren: Gleichnamige Firmen, frühere Namen, Missverständnisse aus der Prüfung in Schritt 2.
- Text schreiben: Definition oben, dann Faktenblock, dann Erläuterungen und FAQ-Bereich. Der Name der Entität steht in den Überschriften. Keine Superlative, keine Preisversprechen, keine Werbung.
- Strukturierte Daten ergänzen: schema.org-Markup passend zum Text, mit
sameAs-Links zu Profilen wie LinkedIn, Google Unternehmensprofil oder Wikidata, sofern vorhanden. - Intern verlinken: Die Seite muss erreichbar und indexierbar sein. Verlinke sie aus dem Footer, der Über-uns-Seite und relevanten Artikeln.
- Pflegen: Prüfdatum aktuell halten und die Angaben bei Änderungen sofort anpassen. Eine veraltete Grounding Page ist eine Quelle für genau die Fehler, die sie verhindern soll.
Tools für die Umsetzung
Für die Erstellung brauchst Du keine spezielle Software. Ein CMS wie WordPress reicht. Das Grounding Page Project stellt selbst Beispiele und Werkzeuge bereit, etwa einen Entity Decoder. Daneben gibt es Skripte aus der Community, die Schritt für Schritt durch die Erstellung führen. Wichtiger als jedes Tool ist die inhaltliche Arbeit: Die meisten Unternehmen haben nie sauber aufgeschrieben, was sie eigentlich sind.
Was bringt eine Grounding Page wirklich?
Die ehrliche Antwort: Eine Grounding Page ist keine Garantie für bessere KI-Antworten oder Rankings. Kein KI-Anbieter hat bestätigt, solche Seiten bevorzugt zu behandeln, und Google betont in seiner Dokumentation zu den KI-Funktionen, dass keine speziellen Dateien oder Seitentypen nötig sind, um in AI Overviews zu erscheinen.
Trotzdem halte ich Grounding Pages für sinnvoll, weil es etwas erzwingt, das in den meisten Unternehmen fehlt: eine einzige, gepflegte Quelle der Wahrheit über das eigene Unternehmen. Ob eine KI-Suchmaschine diese Seite heranzieht, hängt von den Retrieval-Verfahren des jeweiligen Systems ab: davon, ob sie indexiert ist, ob sie zur Anfrage passt und ob andere Quellen dasselbe sagen. Eine Grounding Page, die allem widerspricht, was im Netz über Dich steht, setzt sich nicht durch.
Deshalb gehört sie in eine Gesamtstrategie mit klassischem SEO, Entity SEO, strukturierten Daten und Erwähnungen auf anderen Seiten. Ob KI-Systeme Dich nach der Umsetzung korrekter beschreiben, lässt sich nur durch regelmäßiges Abfragen prüfen. Wie wir Queries und Prompts im Zeitverlauf messen, beschreiben wir im Artikel zum GEO-Tracking. Zusätzlich zeigt der AI Performance Report in den Bing Webmaster Tools, mit welchen Grounding Queries Copilot Deine Seiten als Quelle nutzt.
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Für wen lohnt sich eine Grounding Page?
Grounding Pages sind vor allem dort hilfreich, wo KI-Systeme heute schon Fehler machen oder machen könnten:
- Unternehmen mit Verwechslungsgefahr: gleichnamige Firmen, Allerweltsnamen, Umfirmierungen.
- Unternehmen, die in KI-Antworten falsch beschrieben werden: falsche Leistungen, falscher Standort, veraltete Angaben.
- Experten und Berater, deren Person die Marke ist.
- Produkte und Software, die ein Modell eindeutig einer Kategorie zuordnen soll.
Wer in keiner KI-Antwort auftaucht, hat meist ein anderes Problem: zu wenig Sichtbarkeit insgesamt. Dann reicht eine Grounding Page nicht, sondern es braucht eine Strategie für GEO und SEO.
Häufige Fragen zur Grounding Page
Ist eine Grounding Page dasselbe wie eine Über-uns-Seite?
Nicht automatisch. Eine Über-uns-Seite erzählt meist eine Geschichte. Eine Grounding Page listet überprüfbare Fakten und grenzt die Entität ab. Eine Über-uns-Seite kann aber so umgebaut werden, dass sie beide Aufgaben erfüllt.
Braucht eine Grounding Page schema.org-Markup?
Strukturierte Daten werden empfohlen, sie ergänzen den sichtbaren Text. Die Seite muss aber auch ohne Markup verständlich sein, denn KI-Systeme lesen vor allem den Text.
Soll die Grounding Page auf noindex stehen?
Nein. Eine Grounding Page soll gefunden und gelesen werden. Eine Seite, die Suchmaschinen nicht indexieren dürfen, steht auch KI-Suchmaschinen, die auf diese Indizes zugreifen, kaum als Quelle zur Verfügung.
Hilft eine Grounding Page bei Google-Rankings?
Direkt nicht. Sie ist kein Ranking-Faktor. Indirekt kann sie über eine klarere Entität und sauber verknüpfte Informationen zur Sichtbarkeit beitragen.
Wie oft sollte ich eine Grounding Page aktualisieren?
Bei jeder Änderung der Fakten sofort, ansonsten regelmäßig prüfen und das Prüfdatum anpassen.