Seit Ende August zeigt ChatGPT auch in Deutschland Werbung. Für Unternehmen stellt sich damit eine neue Frage: Lohnt es sich, dort Budget einzusetzen? Wir haben ChatGPT Ads in mehreren Kundenkonten getestet. Hier erklären wir, wie die Anzeigen funktionieren, wer sie sieht, wie Du eine Kampagne selbst aufsetzt – und was wir dabei beobachtet haben.
Inhalt dieses Artikels
Die Kurzantwort
ChatGPT Ads sind ein neuer Werbekanal mit einem interessanten Umfeld: Menschen nutzen ChatGPT, wenn sie recherchieren, vergleichen und Entscheidungen vorbereiten. In unseren Tests stand dem aber eine schwache Messbarkeit gegenüber. Das Budget wurde zügig ausgegeben, auf den Websites kam kaum messbarer Traffic an, und wofür genau die Anzeigen ausgespielt wurden, ließ sich nicht nachvollziehen. Unsere Einschätzung zum aktuellen Stand: ein Kanal für bewusste, eng begrenzte Tests – nicht für das Kernbudget.
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Was sind ChatGPT Ads?
ChatGPT Ads sind Anzeigen, die OpenAI direkt in ChatGPT ausspielt. Du erscheinst unterhalb der Antwort, bist als „Sponsored“ gekennzeichnet und fügst dich optisch in den Chatverlauf ein. Nach Angaben von OpenAI beeinflussen Anzeigen die Antworten von ChatGPT nicht. Eine bezahlte Platzierung bedeutet also nicht, dass ChatGPT das beworbene Produkt empfiehlt.
Gestartet ist das Format Anfang 2026 in den USA. Seit Ende August 2026 läuft es auch in Deutschland, Österreich und weiteren europäischen Märkten.
Wer sieht ChatGPT Ads?
Das ist für die Frage nach dem Nutzen entscheidend, denn die Zielgruppe ist enger, als viele annehmen:
- Nur eingeloggte Erwachsene in den Tarifen Free und Go sehen Anzeigen.
- Keine Werbung erhalten Nutzer mit Plus, Pro, Business, Enterprise oder Education. Gerade zahlende Power-User und viele berufliche Nutzer fallen damit heraus.
- In der EU und der Schweiz nicht personalisiert: Anzeigen richten sich hier nach dem Kontext der aktuellen Unterhaltung. Frühere Chats und gespeicherte Erinnerungen werden nicht herangezogen.
- Ausgenommen sind außerdem temporäre Chats und Konten, die OpenAI Minderjährigen zuordnet.
Für B2B-Unternehmen heißt das: Ein großer Teil der Entscheider, die ChatGPT beruflich mit einem bezahlten Zugang nutzen, wird über Anzeigen nicht erreicht.
So funktioniert die Ausspielung
Der größte Unterschied zu Google Ads: Es gibt keine Keywords im klassischen Sinn.
Bei Google buchst Du Suchbegriffe und siehst im Suchbegriffbericht, bei welchen Anfragen Deine Anzeige erschienen ist. Bei ChatGPT Ads hinterlegst Du auf Ebene der Anzeigengruppe nur sogenannte Kontexthinweise – Themen, Unterhaltungen oder Begriffe, zu denen Dein Angebot passt. OpenAI betont selbst, dass diese Hinweise keine exakten Keywords sind und keine Auslieferung in bestimmten Unterhaltungen garantieren.
Welche Unterhaltung am Ende zur Anzeige geführt hat, siehst Du nicht. Das Reporting ist aggregiert: Impressionen, Klicks, Ausgaben, Klickrate, durchschnittliche Kosten pro Klick bzw. pro tausend Impressionen und – wenn eingerichtet – Conversions. Einen Einblick in einzelne Chats gibt es aus Datenschutzgründen nicht.
So setzt Du eine Kampagne selbst auf
Die Verwaltung läuft über den Ads Manager von OpenAI (ads.openai.com). Zum Europa-Start wurde zunächst über das OpenAI-Team, Agentur- und Technologiepartner gebucht; prüfe vor dem Start, welcher Zugang für Dein Unternehmen aktuell offen ist.
Der Aufbau ähnelt anderen Werbeplattformen:
- Konto anlegen und Zahlungsdaten hinterlegen.
- Kampagne erstellen: Budget, Laufzeit und Ziel festlegen. Zur Wahl stehen Reichweite (Abrechnung pro tausend Impressionen, CPM) und Klicks (Abrechnung pro Klick, CPC).
- Anzeigengruppen anlegen: Höchstgebot festlegen und Kontexthinweise hinterlegen. Denk dabei in Situationen und Fragen Deiner Kunden, nicht in Suchbegriffen.
- Anzeige gestalten: Titel, Text, Bild und Ziel-URL.
- Tracking einrichten, bevor die Kampagne startet (siehe nächster Abschnitt).
Messung: ohne Tracking keine Bewertung
Weil Du nicht siehst wofür ausgespielt wird, ist sauberes Tracking die einzige Grundlage für eine Bewertung:
UTM-Parameter an jede Ziel-URL hängen, etwa utm_source=chatgpt&utm_medium=cpc. So lassen sich die Besuche in Google Analytics eindeutig zuordnen.
Conversion-Messung im Ads Manager einrichten, damit Anfragen oder Käufe zurückverfolgt werden können.
Zahlen abgleichen: Vergleiche die Klicks im Ads Manager mit den Sitzungen in Deiner Webanalyse. Große Abweichungen sind ein Warnsignal.
Unsere Erfahrung aus mehreren Kundenkonten
Wir haben ChatGPT Ads in mehreren Kundenkonten getestet – mit Tracking, klaren Zielen und begrenzter Laufzeit. Das Bild war über die Konten hinweg ähnlich:
- Keine Einsicht in die Ausspielung. Anders als bei Google Ads konnten wir nicht nachvollziehen, bei welchen Fragen und in welchen Gesprächen die Anzeigen erschienen. Optimieren im eigentlichen Sinn ist so kaum möglich.
- Das Budget wird zügig ausgegeben. Die Plattform hat die freigegebenen Mittel konsequent abgerufen; Abbuchungen kamen laufend.
- Kaum messbarer Traffic. In der Webanalyse kam im Verhältnis zum Einsatz nur sehr wenig an. Zwischen den Kosten und den tatsächlich gemessenen Besuchen klaffte eine deutliche Lücke.
Das heißt nicht, dass der Kanal grundsätzlich nicht funktioniert. Die Plattform ist jung, das Auktionssystem entwickelt sich noch, und in der EU fehlt die Personalisierung. Es heißt aber: Wer heute einsteigt, bezahlt das Lernen mit.
Für wen lohnen sich ChatGPT Ads aktuell?
Eher geeignet: – Marken, die Reichweite und Bekanntheit in einem neuen Umfeld aufbauen wollen und dafür ein Testbudget haben. – Unternehmen mit erklärungsbedürftigen Produkten, bei denen Nutzer in ChatGPT vergleichen und recherchieren. – Unternehmen mit belastbarem Tracking, die Ergebnisse sauber bewerten können.
Eher nicht geeignet: – Kleine Leadbudgets, bei denen jeder Euro eine Anfrage bringen muss. – Lokale Dienstleister, deren Kunden bei Google nach einem Anbieter in der Nähe suchen. – B2B-Angebote, deren Zielgruppe ChatGPT überwiegend mit bezahltem Zugang nutzt.
Worauf Du achten solltest
- Tagesbudget deckeln und eine feste Testdauer mit Abbruchkriterium festlegen, bevor die Kampagne startet.
- Mit Klickzielen (CPC) testen, damit Du nur für tatsächliche Klicks bezahlen.
- Tracking zuerst: UTM-Parameter und Conversion-Messung vor dem ersten Euro.
- Regelmäßig abgleichen: Ads-Manager-Zahlen gegen die eigene Webanalyse.
- Nicht isoliert betrachten: Ob Dein Unternehmen in ChatGPT vorkommt, entscheidet sich nicht nur über Anzeigen. Wer in den Antworten selbst genannt wird, ist dort sichtbar, ohne pro Klick zu bezahlen. Diese Sichtbarkeit entsteht über SEO als Grundlage und GEO darauf aufbauend.
- Kernbudget nicht verschieben: Bewährte Kanäle wie Google Ads sollten nicht für einen ungeprüften Test gekürzt werden.
Fazit der Google Doktoren
Erst die Diagnose, dann die Therapie: ChatGPT Ads sind spannend, aber derzeit schwer zu steuern und schwer zu messen. Wer testen will, sollte das mit begrenztem Budget, sauberem Tracking und klarer Abbruchgrenze tun. Für die meisten Unternehmen bringt es aktuell mehr, in den Antworten von ChatGPT organisch vorzukommen – und die Anzeigen im Blick zu behalten, bis die Plattform reifer ist.
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FAQ
Was kosten ChatGPT Ads?
Abgerechnet wird pro tausend Impressionen (CPM) oder pro Klick (CPC). Du legst auf Ebene der Anzeigengruppe ein Höchstgebot fest. Die tatsächlichen Kosten hängen von der Auktion ab und schwanken bei der jungen Plattform noch stark.
Sehe ich, bei welchen Fragen meine Anzeige erscheint?
Nein. Es gibt keinen Suchbegriffbericht wie bei Google Ads. Das Reporting zeigt nur aggregierte Werte wie Impressionen, Klicks und Kosten.
Werden ChatGPT Ads in Deutschland personalisiert?
Nein, zumindest vorerst nicht. In der EU und der Schweiz richten sich die Anzeigen nach dem Kontext der aktuellen Unterhaltung, nicht nach früheren Chats oder gespeicherten Erinnerungen.
Wer sieht ChatGPT Ads?
Eingeloggte Erwachsene in den Tarifen Free und Go. Nutzer mit Plus, Pro, Business, Enterprise oder Education sehen keine Anzeigen.
Beeinflussen Anzeigen die Antworten von ChatGPT?
Nach Angaben von OpenAI nicht. Anzeigen erscheinen getrennt unterhalb der Antwort und sind als „Sponsored“ gekennzeichnet.
Kann ich ChatGPT Ads selbst schalten?
Ja, über den Ads Manager von OpenAI. Prüfe vor dem Start, welcher Zugang für Werbetreibende in Deutschland aktuell offen ist, und richte das Tracking vor dem ersten Klick ein.
Lohnen sich ChatGPT Ads für mein Unternehmen?
Das hängt von Ziel, Budget und Zielgruppe ab. Für Reichweitentests mit sauberem Tracking kann ein begrenzter Test sinnvoll sein. Für kleine Leadbudgets und lokale Dienstleister empfehlen wir derzeit Zurückhaltung.