Ein Test, den jeder selbst machen kann
Über kaum ein Thema wird in der SEO-Szene gerade so viel geredet wie über AI Overviews. Kunden fragen mich in fast jedem Erstgespräch: „Julian, müssen wir da jetzt auch noch ran?” Die Antwort ist je nach Geschäftsmodell radikal verschieden — und für lokale Unternehmen oft das genaue Gegenteil von dem, was die meisten GEO-Anbieter erzählen.
Mach den Test selbst: Öffne Google und suche nach „Zahnarzt München”. Was du siehst, ist eine Mischung aus bezahlten Anzeigen, einer Karte mit drei Pins, organischen Treffern und Bildern. Was du nicht siehst, ist eine AI Overview. Jetzt suche nach „Karies Ursachen”. Direkt oben, vor allen organischen Treffern: ein KI-generierter Antwortblock mit Quellenangaben. Der Unterschied ist nicht das Thema — beides ist Zahnmedizin. Der Unterschied ist das Wort „München”.
Und genau das ist die Pointe, die Google in seinem im Mai 2026 veröffentlichten AI-Optimization-Guide in einem fast beiläufigen Absatz selbst beschreibt: Bei lokalen, transaktionalen Suchanfragen liefern AI Overviews selten Mehrwert. Wenn sie überhaupt erscheinen, ziehen sie Daten primär aus dem Merchant Center und aus Google Business Profilen — nicht aus den klassischen Website-Inhalten, die du dir mit Surfer und gutem Content erarbeitet hast.
Für die meisten unserer Kunden — Zahnärzte, Handwerker, Kanzleien, Praxen, Restaurants — bedeutet das eine massive Verschiebung der Prioritäten. Und für viele Agenturen, die in 2026 immer noch ihre Kunden in „KI-Sichtbarkeits-Paketen” mit Llms.txt-Files und Schema-Markup-Akrobatik beraten, ist es eine ungemütliche Wahrheit.
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Die Datenlage: 8 von 8 lokale Suchen ohne AI Overview
Bevor ich strategisch werde, lass mich kurz Zahlen sprechen lassen. Ich habe mit Ahrefs acht typische lokale Münchner Service-Suchen analysiert — Branchen, in denen wir bei JSH Marketing seit 2016 mit lokalen Kunden arbeiten. Was die SERP-Features angeht, gibt es kein einziges AI Overview in diesen Suchergebnissen.
| Keyword | Suchvolumen / Monat | AI Overview? | Local Pack? |
|---|---|---|---|
| friseur münchen | 5.000 | nein | ja |
| zahnarzt münchen | 4.000 | nein | ja |
| physiotherapie münchen | 3.500 | nein | ja |
| elektriker münchen | 2.100 | nein | ja |
| steuerberater münchen | 1.600 | nein | ja |
| rechtsanwalt münchen | 1.500 | nein | ja |
| handwerker münchen | 300 | nein | ja |
| heizungsbauer münchen | 200 | nein | ja |
Zusammen sind das über 18.200 monatliche Suchen — und keine einzige davon zeigt eine AI Overview, während fast alle ein Local Pack ausspielen. Zum Vergleich habe ich die gleiche Abfrage für ein paar informationelle, nicht-lokale Suchen gemacht:
| Keyword | Suchvolumen / Monat | AI Overview? |
|---|---|---|
| was ist seo | 2.300 | ja |
| wie funktioniert künstliche intelligenz | 900 | ja |
| karies ursachen | 150 | ja (mit Sitelinks) |
Drei von drei. Mit Sitelinks bei „karies ursachen” sogar in der besonders prominent gestalteten Variante. Der Kontrast könnte schärfer kaum sein: Themen sind teilweise identisch — Zahnmedizin in beiden Fällen — aber sobald der lokale Kontext (München) hinzukommt, kippt das Antwortverhalten von Google um. Aus „erkläre mir Karies” wird „zeig mir Zahnärzte”. Und Zahnärzte zeigt Google über Karten und Profile, nicht über KI-Synthesen.
Warum Google das so macht
Die Logik dahinter ist nicht zufällig, sondern produktstrategisch. Eine AI Overview liefert Mehrwert, wenn der Nutzer eine Wissensfrage stellt — etwas erklärt, definiert, verglichen haben will. Bei einer transaktionalen lokalen Suche („Zahnarzt München”) will der Nutzer aber keine Erklärung. Er will einen Anruf, eine Wegbeschreibung, einen Termin. Google weiß das und liefert genau das: eine Karte, drei Local-Pack-Einträge, Sterne-Bewertungen, Telefonnummern.
Hinter den Kulissen passiert dabei etwas Wichtiges: Google entscheidet pro Suchanfrage, ob die Antwort aus dem Index gezogen wird (klassische blaue Links, AI Overview, Featured Snippets) oder aus seinem eigenen lokalen Geschäftsdaten-Layer (Maps, Business Profiles, Reviews). Bei lokalen transaktionalen Suchen gewinnt fast immer der lokale Layer. Und in diesem Layer existiert deine Website nicht — dort existiert nur dein Profil.
Das hat eine wichtige Konsequenz, die in unserem Artikel zur Zero-Click-Search bereits angerissen wurde: Ein wachsender Anteil der lokalen Suchen endet ohne Website-Klick. Der Nutzer ruft an, lässt sich navigieren, schaut Bewertungen — alles direkt in der SERP. Das ist kein Verlust, sondern eine Verschiebung: Der Wert deiner lokalen Online-Präsenz wandert von der Website in dein Google Business Profil.
Die Konsequenz: GBP ist nicht mehr Nebenrolle
Über fünfzehn Jahre lang habe ich Local-SEO als eine Disziplin behandelt, in der die Website die Hauptrolle spielte und das Google Business Profil eine wichtige, aber dienende Funktion hatte. Diese Hierarchie ist 2026 nicht mehr haltbar — zumindest nicht für reine Service-Branchen, in denen die Suche transaktional ist.
Konkret heißt das: Wer als Zahnarzt, Handwerker, Kanzlei oder Praxis ein begrenztes monatliches Marketing-Budget hat, sollte die Allokation neu denken. Drei Stunden Website-Texte umarbeiten oder drei Stunden das Google Business Profil pflegen, neue Beiträge schreiben, Bewertungen einholen und Q&A pflegen — das sind nicht mehr gleichwertige Maßnahmen. Im transaktionalen lokalen Suchsegment hat die zweite Stunde aktuell den deutlich höheren Hebel.
Das ist keine vollständige Umkehrung der bisherigen Logik, aber eine deutliche Gewichtsverschiebung. Wer als lokales Unternehmen sein SEO-Budget zu 90 Prozent in Website-Optimierung steckt, optimiert in den falschen Layer. Wer es zu 50 oder 60 Prozent in lokale Sichtbarkeit (GBP, Bewertungen, lokale Citations, lokale Backlinks) lenkt und den Rest in Website, schaltet seine Akquise auf den Mechanismus, der tatsächlich in den SERPs sichtbar ist.
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Was du im Google Business Profil konkret optimieren musst
Bevor das missverstanden wird: GBP-Optimierung ist nicht das, was viele Anbieter darunter verkaufen — also „einmal eingerichtet und vergessen”. Ein optimiertes Business Profil ist eine kontinuierliche Pflege-Disziplin mit folgenden Hebeln:
NAP-Konsistenz über alle Plattformen. Name, Adresse, Telefonnummer müssen identisch in deinem Profil, deinem Impressum, deinen Verzeichniseinträgen und deinen Social-Media-Profilen stehen. Selbst kleine Abweichungen — „Straße” vs. „Str.” — können das Vertrauen des Algorithmus in deine Daten verringern. Wir machen das bei jedem Kunden im ersten Audit-Schritt.
Kategorien-Auswahl. Die primäre Kategorie ist der wichtigste Rankingfaktor im Local Pack. Sekundäre Kategorien erweitern die thematische Reichweite. Ein „Allgemeinarzt” mit den Zusatzkategorien „Hausarzt”, „Familienarzt” und „Internist” wird für all diese Suchen kandidieren — wer nur „Arzt” auswählt, schränkt sich freiwillig ein.
Beiträge. GBP-Beiträge sind eine massiv unterschätzte Funktion. Sie verlängern die Aufmerksamkeit im Profil, signalisieren Aktivität und können konkrete Angebote, Events oder Updates spielen. Mindestens ein Beitrag pro Woche — nicht für die Algorithmen, sondern für die Nutzer, die das Profil schon gefunden haben.
Bewertungsmanagement. Aktiv Bewertungen einholen, jede einzelne beantworten — auch und besonders die schlechten. Eine 4,8-Sterne-Bewertung mit 250 Reviews schlägt eine 5,0 mit 12 Reviews. Volumen und Aktualität sind dabei wichtiger als die letzten Prozentpunkte beim Durchschnitt.
Q&A. Die Fragen-und-Antworten-Sektion wird in fast jedem Profil ignoriert. Wer dort proaktiv die häufigsten Kundenfragen einstellt — Öffnungszeiten an Feiertagen, Parkplätze, Termine kurzfristig, Privatpatienten ja/nein — beantwortet diese Fragen, bevor sie als Suchanfrage entstehen.
Fotos und Attribute. Echte Fotos vom Team, vom Standort, vom Behandlungsraum. Attribute wie „barrierefreier Zugang”, „Termine online buchbar”, „WLAN” sind direkte Filter, mit denen Nutzer in Maps suchen. Wer sie nicht setzt, wird in diesen Filtern nicht angezeigt — egal wie gut die Website ist.
Wo die Website weiterhin unverzichtbar bleibt
Es wäre intellektuell unredlich, jetzt eine reine „Website ist tot”-Position zu vertreten. Die Website hat in der lokalen Suche zwei wichtige Funktionen, die GBP nicht ersetzt — und sie sind wichtiger denn je.
Die erste Funktion ist die Vertrauens- und Conversion-Phase. Wenn ein Nutzer dich in Maps gefunden, deine Bewertungen gelesen und auf deine Website geklickt hat, ist er bereits warm. Was er auf der Website findet, entscheidet darüber, ob er anruft, einen Termin bucht oder weiterklickt. Eine schlecht gemachte Website tötet die Conversion, auch wenn das GBP perfekt war. Saubere Praxis-Fotos, klare Leistungsbeschreibung, einfache Terminvergabe, Vertrauenssignale (Zertifikate, Pressezitate, Bewertungen-Aggregation) — das ist die Disziplin der Website im Conversion-Funnel.
Die zweite Funktion betrifft nicht-lokale informationelle Suchen in deiner Branche. „Karies Ursachen”, „Steuererklärung Selbstständige Fehler”, „Heizung springt nicht an Ursache” — das sind die Suchanfragen, die sehr wohl AI Overviews triggern. Wer als Zahnarzt, Steuerberater oder Heizungsbauer in diesen AI-Antworten als Quelle zitiert wird, baut Brand-Autorität auf, die in den späteren lokalen Suchen wirkt. Eine Münchner Zahnarztpraxis, die in der AI Overview zu „Karies vorbeugen” zitiert wird, gewinnt mittelfristig bei der lokalen Suche, weil ihre Marke bekannter ist. Das ist genau die Linie, die wir in unserem Artikel zur Commodity-Falle gezogen haben: Nicht den Median nachbauen, sondern die Stellen besetzen, an denen du eine eigene Position einnehmen kannst.
Salome hat das im Artikel Modernes SEO an einem präzisen Beispiel ausgeführt: Ein Steuerberater rankt nicht, weil er für „Steuerberater München” optimiert, sondern weil er die echten Probleme seiner Zielgruppe beantwortet — die Suchen, die jeder Selbstständige stellt, bevor er überhaupt nach einem Steuerberater sucht. Das ist die andere Hälfte einer modernen lokalen SEO-Strategie.
Die richtige Budget-Verteilung — eine praktische Empfehlung
Wenn ich heute eine erste Local-SEO-Strategie für eine Praxis, eine Handwerksfirma oder eine Kanzlei aufsetze, sieht die Budget-Verteilung anders aus als noch vor zwei Jahren. Was vorher 80 Prozent Website / 20 Prozent GBP war, ist heute eher 50/30/20 — und der dritte Posten ist neu.
50 Prozent für lokale Sichtbarkeit: Google Business Profile (Pflege, Beiträge, Q&A, Bewertungen), lokale Citations, lokale Backlinks (Branchenverzeichnisse, lokale Medien, regionale Partner). Das ist der Teil, der im transaktionalen Layer wirkt — also dort, wo eure Kunden gerade tatsächlich suchen.
30 Prozent für Website-Conversion: saubere Service-Seiten, schnelle Ladezeit, mobil optimiert, einfache Terminbuchung, Vertrauenssignale, klare Strukturen. Das ist der Teil, der wirkt, sobald der Nutzer auf der Website ist.
20 Prozent für informationelle Brand-Inhalte: Blogartikel zu echten Kundenproblemen, die in AI Overviews zitiert werden können. Das ist der Teil, der mittelfristig die Marke aufbaut und in der nicht-lokalen Suche sichtbar wird. Welche konkreten Kostengrößen das für ein typisches Münchner KMU sind, haben wir in unserem Artikel Was kostet SEO ausgeschrieben.
Diese Verteilung ist kein Dogma. Eine Praxis mit drei Standorten in München hat eine andere Verteilung als ein hochspezialisierter B2B-Dienstleister, der seine Kunden über Google Ads gewinnt und SEO nur als Vertrauensaufbau betreibt. Aber als Default für reine lokale Service-Branchen ist die 50/30/20-Verteilung deutlich näher an der Realität von 2026 als die alte 80/20-Logik.
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Was das für die GEO-Diskussion bedeutet
In der deutschen SEO-Szene wird unter dem Begriff GEO — Generative Engine Optimization — gerade viel Aktionismus erzeugt. Llms.txt-Files, Schema-Akrobatik, „AI-optimierte Texte”, Mention-Buying. Vieles davon ist Hype, manches ist Unsinn, einiges hat Substanz. Aber für die Mehrheit unserer Kunden — lokale Service-Branchen — ist die wichtigste GEO-Erkenntnis 2026 eine andere: GEO greift in eurem Hauptsuchsegment kaum, weil eure Hauptsuchen keine AI Overviews triggern.
Das heißt nicht, dass GEO für lokale Unternehmen irrelevant ist. Es heißt, dass GEO ein nachgelagertes, mittelfristiges Investment ist — primär für nicht-lokale informationelle Inhalte. Wer die Reihenfolge umdreht und sein Marketing-Budget zuerst in GEO-Maßnahmen schiebt, optimiert in einem Layer, der seine eigene Hauptzielgruppe gar nicht sieht. Mehr zur grundsätzlichen Logik habe ich in unserem Guide zu GEO und SEO 2026 ausgearbeitet.
Das ist auch der Grund, warum wir bei JSH Marketing bei lokalen Service-Kunden GEO-Maßnahmen selten in die erste Phase eines Mandats nehmen. Erst kommen die lokalen Hebel mit dem größten und schnellsten Ertrag — GBP, Bewertungen, lokale Sichtbarkeit. Dann die Website-Conversion. Erst danach beginnt die informationelle Brand-Phase, in der GEO-relevante Inhalte produziert werden. Diese Reihenfolge ergibt sich nicht aus Tool-Logik, sondern aus der tatsächlichen Suchwirklichkeit, in der unsere Kunden gefunden werden müssen.
Was du als Nächstes tun solltest
Wenn du als lokales Unternehmen in München (oder einer anderen deutschen Stadt) erfolgreich Kunden über Google gewinnen willst, fang an der Stelle an, an der die meisten Klicks tatsächlich stattfinden. Drei konkrete Schritte:
Erstens: Mach den Test, den ich zu Beginn beschrieben habe. Such die fünf wichtigsten Suchanfragen, mit denen deine Kunden dich finden sollten. Welche davon triggern AI Overviews, welche nicht? Welche zeigen ein Local Pack, welche nur Ads? Diese Verteilung ist die Landkarte deiner SEO-Realität.
Zweitens: Schau dir dein Google Business Profil kritisch an. Wann hast du den letzten Beitrag verfasst? Wie viele Bewertungen sind in den letzten 90 Tagen dazugekommen? Sind alle Kategorien gesetzt? Sind aktuelle Fotos drauf? Wenn du eine dieser Fragen mit „weiß ich nicht” beantwortest, weißt du, wo dein nächster Hebel liegt.
Drittens: Überprüfe deine Budget-Allokation der letzten zwölf Monate. Wieviel ging in Website-Texte, wieviel in lokale Sichtbarkeit? Wenn das Verhältnis 80/20 zugunsten der Website war, hast du in einem Layer optimiert, der für deine Hauptsuchen nicht mehr der wichtigste ist.
Wenn du wissen willst, wie diese Verteilung für dein konkretes Geschäft aussehen sollte — und wie ein lokales SEO-Audit nach unserem Modell konkret aussieht — sprich uns als Local SEO Agentur München direkt an. Diagnose vor Therapie. Wir schauen uns deine SERP-Realität gemeinsam an, bevor wir auch nur einen Euro neu allokieren.